Die Deutschen Meisterschaften in Balve

Einige Beobachtungen am Rande

Die Deutschen Meisterschaften in Balve

Bei einem Turnier wie bei den deutschen Meisterschaften in Balve gibt es eine Fülle an Dressur-Prüfungen. Es starten Pferde ab einem Alter von 7 Jahren, vom Nürnberger Burgpokal über den Louisdor Preis und den Piaff- Förderpreis bis hin zu den deutschen Meisterschaften in Grand Prix Special und Kür. In diesem Jahr fand zusätzlich noch eine Europameisterschaftssichtung der Junioren und der Jungen Reiter statt. Nahezu alle deutschen Spitzenreiter von Jung bis Alt waren hierbei am Start. Da war toller Sport vorprogrammiert, den man im Viereck beobachten konnte.

Zunächst reisen nahezu alle Pferde ein bis zwei Tage vor dem ersten Prüfungsstart an. Man möchte somit den Pferden die Möglichkeit geben, sich an die Bedingungen wie Kulisse, Bodenbeschaffenheit, Boxen oder auch ein anderes Klima zu gewöhnen. In Balve ist mit Sicherheit das Dressurstadion ein Highlight. Es ist sehr schön gelegen, toll umgeben von Tribünen, Rollrasen, Blumen - eben meisterschaftswürdig. Ein Großteil der Reiter, die an der deutschen Meisterschaft teilnahmen, waren bereits ab Mittwoch am Trainieren. Pferde in der Prüfung anzusehen ist sehenswert, aber Dressurpferde beim Training oder in der Prüfungsvorbereitung auf dem Abreiteplatz zu beobachten, ist noch lehrreicher. Wie werden die Pferde gelöst, wie lange und intensiv werden Lektionen geübt, wieviel Zeit nimmt die Vorbereitung in Anspruch - das sieht bei jedem Reiter anders aus. Man kann sich einiges abschauen, und als Input für sein eigenes Reiten nutzen. Nur als Beispiel: man kann bereits flache Traversalen im Leichttraben in die Lösungsphase einbauen. Oder man löst das Pferd auch im Galopp im leichten Sitz, wie das Ingrid Klimke vormachte.

Auch zum Wohlbefinden und Management der Pferde kann man von den Großen Vieles lernen. Isabell Werth belohnt ihr Pferd nach getaner Arbeit damit, dass ihr Pferd Don Johnson nach dem Training auf dem Rollrasen des Prüfungsvierecks grasen darf. Das traut sich zwar nicht jeder, ist aber trotzdem eine schöne Geste. Fabienne Lütkemeier geht an jedem Prüfungsmorgen mit ihrem Daggi am Halfter um das Prüfungsviereck spazieren und lässt ihn manch eine Blume genau begutachten. Das stärkt das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter. Desperados sowie auch andere Pferde sind gewöhnt zwei Mal am Tag geritten zu werden, davon einmal nur lockeres Joggen. Das wird auf dem Turnier auch nicht anders gemacht. Daher wird er auch am Prüfungsmorgen schon leicht gearbeitet. Man kann sich bei allen Beobachtungen auf Turnierplätzen fragen, ob man für sich etwas mitnehmen kann. Es ist immer gut, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

Auch der Veranstalter gab sich große Mühe, dass man sich in Balve wie zu Hause fühlte. Zum Beispiel wurde jedem Reiter nach jedem Ritt ein Glas Wasser und eine Tüte Leckerli gereicht. Das tat jedem Reiter gut, und auch die Pferde haben sich gefreut. Einige Reiter bevorzugen den Frack in der Gefriertruhe zu kühlen, bevor er angezogen wird. Aber auch die Pferde wurden von ihren Pflegern vor der Prüfung bei den hohen Temperaturen mit Schwamm und Wasser erfrischt. Im Anschluss an die Prüfung bekommen sie gleich eine Dusche und werden mit Kühlgamaschen eingepackt. Die Gefriertruhe im Gepäck ist daher hauptsächlich für das Einfrieren der Kühlgamaschen mit dabei. Ob Kuscheltiere, Spielbälle oder Holzblöcke zum Knabbern - alles ist an Bord, um für die Pferde eine gewohnte Atmosphäre zu schaffen und ein Stück weit Langeweile vorzubeugen.

Den ganzen Tag auf dem Abreiteplatz sah man auch die beiden Bundestrainer Monica Theodorescu und Jonny Hilberath, die mit großem Engagement ihre Schützlinge unterstützten. Für die Kaderreiter war Balve schließlich ein Pflichtstart. Jeder Reiter hat heutzutage ein Coachphone im Ohr, damit der Trainer bestmögliche Unterstützung leisten kann. Die Bundestrainer konnten so auch mehreren Reitern gleichzeitig Tipps geben, ohne über den ganzen Platz zu posaunen. Das war eine gute Erfindung für den Dressursport.

Alles in Allem war Balve wieder ein tolles Turnier mit einem schönen Ambiente. Das Schloss Wocklum mit seinem traditionellen Gebäude sowie der wunderschöne Schlossgarten trägt dazu bei, ein würdiges Pflaster für die deutschen Meisterschaften zu sein. Schön, dass dort die Meisterschaften in jedem Fall bis 2020 stattfinden!

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